|



|
|
Auto-Tuning als Ausdruck
von Individualität
Des Deutschen liebstes Kind ist und bleibt bei vielen,
trotz ständig steigender Spritpreise, auch weiterhin
das Auto. Der fahrbare Untersatz verbindet Gebrauchsgegenstand,
Statussymbol, Sportlichkeit und Hobby in Einem. Eine
nicht unwesentliche Zahl an Liebhabern lässt sich
von starken Fronten, schönen Linien, edlen Interieurs
und kräftigen Motoren nur zu gerne begeistern und
hat sich das Schrauben und Tunen am Automobil zum Steckenpferd
gemacht. Ob junger, autobegeisterter Einsteiger oder
erfahrener Fan von edlen Karossen, Tuning wird von allen
Altersklassen praktiziert und ist zudem entgegen
landläufiger Meinung nicht nur reine Männersache.
Immer mehr Frauen begeistern sich in zunehmendem Maße
für wunderschöne Optik und starke Motoren
ihrer individuellen Gefährte.
Die Szene ist und war schon immer allgegenwärtig
und entwickelt sich rasant weiter. Im Jahr 2007 konnte
der deutsche Tuning-Markt einen Umsatz von 4,7 Milliarden
Euro verbuchen. Den größten Anteil hiervon
haben die Komponenten- und Automobilhersteller, dicht
gefolgt von Händlern, Importeuren und Umbau-Firmen
verschiedener Marken sowie auch Markentuner. Rund 1000
Unternehmen mit 19.000 Mitarbeitern leben von und arbeiten
in diesem Markt.
Schrauber-Teams haben sich der Fahrzeugveredelung und
dem "Bodybuilding fürs Auto" verschrieben,
bilden Clubs, gestalten und besuchen Messen und Shows,
sowie Treffen mit Gleichgesinnten, tauschen sich regelmäßig
in Foren aus und füllen zudem mit ihrem Bedarf
eine komplette Marktsparte. Das Ziel eines jeden Tuning-Fans
ist, seine eigene Individualität auszuleben und
ein außergewöhnliches Fahrzeug ganz nach
eigenen Vorstellungen herzustellen. Mittels verschiedensten
Arten des Tuning, neuesten Modellen und Zubehör-Innovationen
wird eine Realisierung des größten Tuning-Wunsches
ermöglicht: die Individualisierung des eigenen
Fahrzeuges.
Eine der größten Messen Deutschlands von
und für Tuning-Fans ist wohl die internationale
"Tuning World Bodensee" in Friedrichshafen,
welche jährlich von weit über 100.000 Tuning-Begeisterten
- und den die es noch werden wollen - besucht wird.
150 Clubstände, eine rappelvolle Private Car Area
und insgesamt rund 1000 Fahrzeuge aller Marken in 10
Messehallen sprechen für sich und beweisen zudem
den herausragenden Stellenwert der Fachmesse dieser
Branche. Weitere kleinere, jedoch nicht uninteressantere
Messen und Veranstaltungen, wie z. B. die Tuning-Woche
in Leipzig, die Car+Sound in Sinsheim und die Tuningwelt
in Berlin sind ebenfalls bestens besucht und finden
immer wieder regen Anklang. Einer der wohl inzwischen
bekanntesten Tuning-Abend-Events ist die XS CarNight,
die meist 2x jährlich in Dresden veranstaltet wird.
Zum einen als Tuning-Saison Eröffnungsevent Anfang
Juni, zum anderen als grönender Tuning-Abschluss
im September.
Wen dieses Faible auch immer erwischt hat, der setzt
sich erst einmal mit dem Gefährt in seiner heimischen
Garage auseinander und hat dann die Qual der Wahl sich
zwischen vielen Arten des Tunings zu entscheiden: Konzentriert
man sich auf optisches Tuning wie Lichtanlagen, Lackierung,
Alufelgen, vielleicht
lieber auf Leistungstuning, welches durch Motor-, Abgas-
und Fahrwerksveredelung erreicht werden kann, oder bevorzugt
man das akustische Tuning für unverwechselbaren
Sound im Auto? Vielleicht, oder besser gesagt, meistens
wird es dann eine Kombination aus den verschiedensten
Tuning-Arten, ganz speziell auf die persönlichen
Vorlieben des Besitzers ausgerichtet eben individuell.
Die optische Umgestaltung eines Fahrzeuges ist die
klassische Form des Tunings. Ein Großteil der
Autofans wünscht sich ein sportlicheres Aussehen
des eigenen Gefährtes - alle Tuner miteinander
jedoch verbindet das Ziel, ein individuell gestaltetes
und somit einzigartiges Outfit für ihr Auto zu
entwerfen. Zusatzteile, wie Front- und Heckspoiler,
Seitenschweller, Radkastenverbreiterungen und Windabweiser,
stehen eindeutig für eine wesentlich sportlichere
Optik. Aber auch durch spezielle Lackierungen wird das
Aussehen des privaten Kleinwagens wesentlich sportlicher
aufgepeppt. Wer hinzu noch ein sogenanntes Lichttuning,
d. h. Umgestaltung der Scheinwerfer und Leuchten, durchführt,
wird staunen, welch optische Veränderung an der
silbergrauen Familienkutsche durch verhältnismäßig
geringen Aufwand möglich ist. Mehr Sportlichkeit
ist bei allen Arten von Tuning immer noch das meist
gewünschte Ergebnis - nur zu gerne müssen
dann auch Rennsportboliden als optisches Vorbild herhalten.
Zunehmend steigt aber auch das Interesse an klassischer
Eleganz und Komfort, welche durch entsprechendes Interieur
wie nostalgische Armaturen und Verkleidungen, Lenkräder
und spezielle elektronische Accessoires erreicht werden
kann. Nicht nur, aber auch, die Liebhaber von Edelkarossen
legen Wert auf eine eleganten Eindruck von Luxuriösität.
Durch Einsatz von Edelhölzern, Alcantara, Leder,
hochwertigem Textil und Veloursteppichen im Innenraum
wird diese hervor gehoben. Mittel- oder Außenarmlehnen
verleihen Limousinen-Ambiente, elegante Design-Abdeckungen
für Lüftungsfilter und Co. lassen den Innenraum
in behaglicher Exklusivität erstrahlen. So genannte
Steplights an den Seitenschwellern bilden zur perfekten
Einstiegssituation bei jedem Lichtverhältnis zusätzlich
angenehmes Ambiente bei geöffneten Türen.
Alufelgen
und Lichttuning, ebenso wie Lackierungen, Zierleisten
und weiteres Spezial-Zubehör, unterstreichen ebenso
- wie auch im sportlichen Bereich - gezielt eingesetzt,
die elegante äußere Optik. Wer sein Auto
sportlicher tunen möchte, kommt aber über
kurz oder lang an einem Leistungstuning nicht vorbei.
Wer möchte schon gern im optisch sportlich aufgemotzten
Fahrzeug sitzen und gemütlich über Lande tuckern?
Wer Sportlichkeit liebt, wünscht dies auch für
das Herzstück seines Autos und hat genügend
Branchenangebote zur Verfügung, die Leistung des
Motors zu steigern. Klassisch kann der komplette Motor
ausgetauscht werden und so mit Hilfe eines Aggregates
mit Mehrventiltechnik eine höhere Leistung erzielt
werden. Ebenso wirkungsvoll ist der Turbolader, mit
dessen Hilfe über zusätzlich zugeführte
Luft und deren Verdichtung ein höheres Drehmoment
erzeugt wird. Hubraumvergrößerung verspricht
zusätzlich mehr Motorleistung und wird durch Aufbohren
des Zylinders und dem Einsatz eines größeren
Kolbens erreicht. Die modernste Art von Leistungstuning
ist wohl das Chip-Tuning, welches sich auf eine Neu-Einstellung
des Chips konzentriert, der aufgrund der Umgebungsvariablen
wie Öl-Temperatur, Wasser, Luftdichte uvm. die
wichtigsten Funktionen des Motors steuert um maximale
Leistung mit angemessener Motorbelastung zu erreichen.
Leistungstuning erfordert zur Bändigung der neu
gewonnenen Kräfte anschließend meist auch
das Tuning des Fahrwerkes.
Nur kurz würde die Freude am neuen Leistungsniveau
des eigenen Wagens währen, wenn nicht entsprechend
sicher die Spur gehalten und gebremst werden kann. Die
schnittige Optik steht zwar auch hier im Vordergrund,
viel wichtiger ist aber auch die stabile Straßenlage
in schnellen Kurvenfahrten, welche durch optimale Fahrwerks-Anpassung
erreicht wird. Karosserietuning bezieht sich meist auf
Veränderungen an Federn und Stoßdämpfern,
sowie auch eine Anpassung der Bremsanlagen. Vom Austausch
einzelner Fahrwerksfedern gegen Tieferlegungsfedern
bis hin zu kompletten Sportfahrwerken
mit optimaler Abstimmung der Federn und Stoßdämpfer
aufeinander sind hier Umbauten für jeden Geldbeutel
möglich. Tieferlegung
von Autos sieht nicht nur "cool" aus, sondern
erfüllt zudem einen wesentlichen Sicherheitsaspekt:
die Autos haben besseren Fahrbahnkontakt und durch das
Absenken des Fahrzeugschwerpunktes werden Karosserieschwankungen
während des Fahrens reduziert. Um die größere
Belastung durch die Tieferlegung des Fahrzeuges zu minimieren,
wurden so genannte Domstreben entwickelt, die dem Ausgleich
der Radlastdifferenz dienen.
Wer die Leistung auch ordentlich und sauber bremsen
will, hat freie Auswahl in einem breit gefächerten
Angebot von modernen Sportbremsen. Der Einbau sollte
aber unbedingt vom Fachmann vorgenommen werden, da bei
Falsch-Einstellung der Bremsen an die Vorder- und Hinterachse
des Wagens ein Überbremsen am Heck droht.
Natürlich darf beim Leistungstuning auch die Umrüstung
des Auspuff nicht
außer Acht gelassen werden: Mit einem Austausch
der herkömmlichen Auspuffanlage gegen eine sportlichere
Komplettanlage kann hier mit wenig Aufwand viel erreicht
werden. Höhere Geschwindigkeit, besserer Motorenklang,
reduzierter Verbrauch sind die Ergebnisse einer optimal
abgestimmten Anlage für das Fahrzeug. Beeindruckende
Endschalldämpfer - oft aus rostfreiem Edelstahl
- sorgen zudem auch hier wieder einmal für sportliche
und/oder elegante Optik. Der Markt bietet unzählig
viele verschiedene Modelle an Sportauspuffanlagen. Ebenso
sind alle Einzelteile einer Auspuffanlage vom Kaltlaufregler
bis zum Endschalldämpfer im Handel erhältlich.
Wer unter diesem Angebot immer noch nicht fündig
wird, kann sich auch eine Sportauspuffanlage ganz nach
eigenen Wünschen zusammenstellen und anfertigen
lassen.
Auch das "Schuhwerk"des Autos, also die Bereifung,
sind beim Tuning, egal ob sportlich oder elegant, sowohl
ein wichtiger optischer als auch sicherheitstechnischer
Aspekt. Ein riesengroßer Markt an Reifen
und Felgen,
multipliziert mit Unmengen von Reifengrößen
und arten macht ein Suchen nach der richtigen
Bereifung für das eigene Auto ziemlich aufwändig.
Dank kompetenter Beratung beim Fachhändler und
mittlerweile auch mittels Internetprogrammen, in welchen
das Auto zur optischen Begutachtung mit fast allen Reifen
und Felgen auf dem Markt bestückt werden kann,
findet sich hier bald das Passende. Auf die optische
Verbesserung durch Alufelgen
und sogar noch breiteren Reifen
muss hier nicht hingewiesen werden. Das fällt garantiert
jedem auf. Der Fahrer wird aber auch ein verbessertes
Fahrverhalten durch den Einsatz von Breitreifen bemerken,
sollte aber - ganz wie im Rennsport auch - sein Tempo
immer den Wetter- und Straßenverhältnissen
anpassen.
Last but not least sollte man eine weitere breite Sparte
des Tunings nicht unerwähnt lassen: Das akustische
Tunen im Innenraum sorgt für den richtigen Ton
und bietet ebenfalls eine breite Vielfalt an Möglichkeiten
multipliziert mit den verschiedensten einzelnen Komponenten.
Der Multimediabereich im Auto erstreckt sich von Endstufen
über Subwoofer bis hin zu Lautsprechersystemen
und entsprechendes weiteres Zubehör und bietet
durch die Vielfalt unzählige Kombinationsmöglichkeiten,
die es dem Besitzer des Fahrzeuges ermöglichen,
genau das Klangergebnis seiner eigenen Vorstellung im
Auto zu erreichen. So mancher Kofferraum musste so schon
seinen Stauraum opfern, um den nötigen Platz für
das Multimedia-Zubehör zu ermöglichen.
Egal, welche Umbauten an den Fahrzeugen vorgenommen
werden, man sollte grundsätzlich darauf achten,
dass allen An- und Umbau-Teile mindestens ein TÜV-Gutachten
beigelegt ist, um unliebsame Konflikte mit dem Gesetz
zu vermeiden. Mittels TÜV-Gutachten können
gegen eine Gebühr von ca. 30-50 Euro je Anpassung
die Veränderungen in die Fahrzeugpapiere eingetragen
werden. Wer Tuning-Zubehör mit beiliegender ABE
(Allgemeine Betriebserlaubnis) kauft, benötigt
in Deutschland meist keine weitere Eintragung in die
Fahrzeugpapiere, es sei denn die ABE beinhaltet Auflagen,
die eine Abnahme wie bei einem TÜV-Gutachten notwendig
machen. Eine Betriebserlaubnis für die Europäische
Gemeinschaft erfordert innerhalb der EU i. d. R. keine
weitere Eintragung in die Fahrzeugpapiere. Eine weitere
grundsätzliche Frage ist auch die Frage nach den
Kosten des Tunings. Allgemeinaussagen können hier,
verständlicherweise wegen der Vielfalt an Möglichkeiten,
nicht gemacht werden. Für die Kosten des Motortunings
gilt z. B. die Faustformel 100 bis 150 Euro pro 1 kW
meßbarer Mehrleistung. Chiptuning hingegen ist
in einer Preissparte von 15 bis rund 2000 Euro möglich.
Viele Tuner sind bereit, Schritt für Schritt gutes
Geld in ihr Auto zu investieren. Individualität
hat ihren unterschiedlichen Preis und lässt sich
schlecht in Geld ausdrücken. Für viele Tuning-Fans
ist es in erster Linie einmal eine Geschmacksfrage,
weniger eine Geldfrage. Wenn das Tuningteil entscheidend
für die Individualität des Fahrzeuges ist,
sind viele bereit, auch mehr Geld, als geplant dafür
auszugeben oder eben auch darauf hin zu sparen.
Wie in so vielen anderen Branchen auch, sollte man
auch oder gerade beim Tuning von Autos niemals "Geiz
vor Hirn" walten lassen, denn oftmals erweisen
sich so genannte günstige No-Name-Produkte als
Fehlinvestition durch reduzierte Qualität und/oder
Funktion. Natürlich kann man auch bei Schnäppchenpreisen
zugreifen, sollte sich aber vor der Investition ausreichend
informiert und mit Produkten anderer Hersteller verglichen
haben. Mit offenen Augen und gutem Informationsabgleich,
ist sicherlich individuelles Tuning des eigenen Autos
im Rahmen des eigenen Geldbeutels möglich, welche
langfristige Freude an der veredelten Karosse garantiert.
|